Titel

  1. Lied von der Bleibe   
    (Brecht, 1939), P2
  2. Der Fluss lobsingt die Sterne im Gebüsch
    (Brecht, 1920), P2
  3. Die Städte aber wollen nur das ihre
    (Rilke, 1903), P4
  4. Anno 1839   
    (Heine, 1839), P4
  5. Mein Herz ist traurig
    (Heine, 1823), P5
  6. Die Opiumraucherin
    (Brecht, 1926), P1
  7. 700 Intellektuelle beten einen Öltank an
    (Brecht, 1929), P2
  8. Gebt keinen euresgleichen auf   
    (Brecht, 1936), P3
  9. Wo soll das hin?
    (Brecht, 1937), P1
  10. Die Wende
    (Braun, 1990), P6
  11. Oh Chicago
    (Braun, 1990), P6
  12. Mein Terrortorium
    (Braun, 1991), P6
  13. Sonett in der Emigration
    (Brecht, 1941), P3
  14. Ein deutscher Dichter bin ich einst gewesen
    (Herrmann-Neiße, 1935), P7
  15. Verlorenes Paradies
    (Seifert, 1979), P8
  16. Anno 1829
    (Heine, 1829), P5
  17. Die schlesischen Weber
    (Heine, 1844), P5
  18. Frühling
    (Brecht, 1950), P2
  19. Kuh beim Fressen
    (Brecht, 1925), P2
  20. Der Beruf des Storches
    (Goethe, 1818-19), P2
  21. Der Zauberlehrling   
    (Goethe, 1797), P9
  22. Der Rattenfänger
    (Goethe, 1788-93), P9
  23. Der untreue Knabe
    (Goethe, 1774), P9
  24. Vor Gericht
    (Goethe, 1776), P9
  25. Was es ist
    (Fried, 1983), P4
  26. Böhmen liegt am Meer
    (Bachmann, 1964), P8
  27. Lebensfahrt
    (Heine, 1843), P5


Gerhard Folkerts:
Komposition, Klavier

Gina Pietsch:
Gesang

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Bestell-Nr.: CD G200201F
Preis: EUR 15.00 €

Pietsch singt Folkerts

Lieder nach Brecht, Goethe, Heine, ...

Das literarische Lied

Mit den Liederzyklen Schuberts, Schumanns, Wolfs und Mahlers und den Arien von Gluck-, Mozart-, Verdi-, Puccini-, Bizet-, Massenet-Opern im Elternhaus in den 1950er- und 1960er-Jahren aufgewachsen, studierte ich während meiner Hochschulzeit intensiv die Vokalmusik des 20. Jahrhunderts, insbesondere die der Zweiten Wiener Schule, ihre Wirkung, ihre Aufführungspraxis, vor allem aber die besondere Behandlung des musikalischen Materials.

Seitdem beschäftige ich mich intensiv mit den ideengeschichtlichen Entwürfen und gesellschaftlichen Haltungen eines Bach, Beethoven, Bartok, Boulez, Britten, Eisler, Dessau, Henze, Palestrina, Piazzolla, Schönberg, Theodorakis, Trojahn, Webern.

Als Komponist des literarischen Liedes lese ich mit wachem Gegenwartsbewusstsein Texte und frage, in welcher Weise diese behandelt werden müssen, damit musikalische Struktur und Wortzusammenhang inhaltlich einen Sinn ergeben. Durch meine Kompositionsmethode versuche ich das literarisch Ferne nahe zu rücken und dabei dem inhaltlich Uneingelösten seine Aktualität wieder zu geben. Vorrang dabei hat die Verständlichkeit. Auch beim Schreiben des Einfachen verzichtet der Komponist nicht auf Differenziertheit. Er untermalt also die Dichtung nicht, sondern interpretiert sie. Quellen bleiben für mich die Volksund Kirchenlieder ebenso wie die Kunstlieder Schuberts, Schumanns, Brahms, Wolfs, Mahlers, Mussorgskys, Weills, u.a.. Isolierte Intellektuellenmusik und populistisch austauschbare Produkte der Musikindustrie sind für mich als Komponist perspektivlos, bewegen sie sich doch in gedanklichen und gesellschaftlichen Sackgassen.

Das literarische Lied ist keine allgemeine Musik. Seine Inhalte bleiben einem fremd, solange man nicht selbst das Lesen und das Hören übt. Das literarische Lied verlangt von den Hörern, eine passive Konsumhaltung aufzugeben, um durch eine aktive Auseinandersetzung mit Text und Musik den Sinn von Gedanken und Strukturen des Werkes, den lebendigen Gehalt an sich, zu erfahren. Dann erst funktioniert der zwischenmenschliche Kommunikationsprozess, an dem Hörer, Interpret und Komponist wechselseitig beteiligt sind.

Interpret und Hörer des literarischen Liedes sollen Spaß am Denken, Singen, Hören haben. Das Prinzip der Unterhaltung, in dem der Genuss nur noch als Selbstzweck auftritt, betrachte ich als eingleisig.

Von den Interpreten erwarte ich, dass sie ohne jede Künstlichkeit ihre Originalität einbringen, die sie durch Improvisationskraft, Naivität und Intellekt, unverwechselbare Gestaltung von Gesangs- und Sprechton, von Betonung, Zäsur, Sprachrhythmus, von Zurückhalten und Drängen des Tempos ausdrücken. Gina Pietsch verfügt über diese musikalische Intelligenz, die Voraussetzung zur Gestaltung des Genres ist.

Eine gute Komposition gestattet den Interpreten Freiheiten, die die Gesetze zwischen Vokalstimme und instrumentalem Satz nicht zerstören. Sind Interpret und Hörer durch das literarische Lied auf Traditionslinien und Neuerungen neugierig und für alte und neue Literatur aufgeschlossen gemacht worden, ist die Gesamtkonzeption des Komponisten gelungen.
Gerhard Folkerts, © 2002


Die Lieder auf dieser CD stammen aus gemeinsamen Programmen • Abenden




Gerhard Folkerts
Komponist und Pianist

www.gerhard-folkerts.de



Die Presse meint:
„Gina Pietsch, die Protagonistin im Dienst von Musik und Sprache als Chansonette auszuweisen, wäre angesichts der enormen Bandbreite ihres Ausdrucksvermögens zu wenig. Nicht nur, dass sie Brechts bekiffte Opiumraucherin genretypisch verkörpert und Goethes Zauberlehrling zu szenischem Leben erweckt, sie fügt auch vermeintlich Unvereinbares, etwa messerscharf deklamierte Verse von Rilke zu groovigen Pianoklängen, in sinnstiftenden Kontext. Ganz gleich, mit welchen historischen Vorbildern im Kopf man Folkerts literarischen Liedern nachspüren will, die jetzt in einer Auswahl auf CD bei ihm zu bekommen sind – jedes verdient es, gehört zu werden.”
(Hamburger Abendblatt)